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Miteinander

Tita-Cory-Campus
Münster

In der aufregenden Welt des Studentenlebens gibt es einen Ort, der oft übersehen wird, obwohl er eine zentrale Rolle im Leben junger Akademikerinnen und Akademiker spielt: das Studentenwohnheim. Diese meist unscheinbaren Gebäude, in denen sich Zimmer an Zimmer reihen, sind weit mehr als einfache Schlafplätze. Sie sind ein Mikrokosmos, das Herzstück einer Ära, in der Wissen und Unabhängigkeit Hand in Hand gehen. Von der ersten nervösen Begegnung mit den Mitbewohnern bis hin zur emotionalen Verabschiedung am Ende des Studiums – diese Orte erzählen Geschichten von Eifer, Freundschaft und Veränderung.

Kontext

Ende 2016 gewann heinlewischer den 1. Preis für die Planung des Tita-Cory-Campus in Münster. Das Studentenwohnheim, das im August 2022 fertiggestellt wurde, befindet sich gegenüber vom Overberg-Kolleg und bietet Platz für rund 200 Studentinnen und Studenten. Es besteht aus vier baugleichen Wohnhäusern sowie drei kleineren Baukörpern, in denen sich eine Kapelle, ein Café mit Veranstaltungsräumen und die Verwaltung befinden. Die Einzelbaukörper ruhen auf einem Sockel und sind zusätzlich über Stege und Plattformen im 1. Obergeschoss miteinander verbunden. So werden Zugänge auf mehreren Ebenen ermöglicht.

Positiv vom Bauherrn, dem Bischöflichen Generalvikariat Münster, hervorgehoben wurde die gelungene Kombination aus Wohnen, Leben und Studieren, die den Entwurf von heinlewischer ausmacht.

»Der Tita-Cory-Campus ist für mich besonders, weil wir von Grund auf eine neue Gemeinschaft, neue Konzepte, Regeln und Traditionen schaffen. Man bekommt die Chance, in einem tollen Wohnheim zu wohnen und dieses von Anfang an mitzugestalten.«
Lara Sommerfeld
Campussprecherin

Konzept

Ein Studentenwohnheim ist nicht nur ein Ort, an dem Menschen zusammen studieren, sondern vor allem auch ein Ort, an dem sie zusammenleben. Deshalb steht das Miteinander im Zentrum des Tita-Cory-Campus-Entwurfs. So findet man neben wichtigen Rückzugsorten verschiedenste Räume und Flächen, die zur Begegnung einladen. Gemeinschaftsräume, die im gesamten Ensemble zu finden sind, können flexibel gebucht und genutzt werden. Dadurch wird auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der Studierenden eingegangen.

Eine durchlässige Plattform verbindet die Wohneinheiten im 1. Obergeschoss und kreiert aus einzelnen Gebäuden einen zusammenhängenden Campus. Es entstehen auf zwei Ebenen Wege, Plätze, Terrassen und Grünflächen, bei denen die verschiedenen Licht- und Schattenstimmungen die Höfe charakterisieren. Freiräume unterschiedlicher Größe und Atmosphäre mit weiten, luftigen Bewegungsflächen, kleineren, privaten Sitzbereichen und einem eigenen abgeschlossenen Kapellengarten ergänzen das Ensemble.

Alle Gebäude öffnen sich zum zentrierten Innenhof. Vielfältige Angebote wie ein Café, ein Kiosk, ein Sportraum, eine Bibliothek, eine Kapelle, eine Bar und ein Veranstaltungssaal verwandeln den Tita-Cory-Campus trotz peripherer Lage in einen attraktiven Ort des Verweilens und Lebens.

Pro Wohneinheit gibt es vier bis fünf Wohngruppen, die sich jeweils aus elf oder zwölf Studentenzimmern sowie einer gemeinsamen Küche mit Essbereich und Wohnzimmer zusammensetzen. Schiebetüren verbinden Küche und Wohnzimmer zu einem großen, gemeinschaftlich nutzbaren Raum, der das Herz jeder Wohngemeinschaft bildet. Die funktionalen Studentenzimmer dienen als persönlicher Rückzugsort. Sie zeichnen sich durch große Fenster, die allesamt auf Freiflächen gerichtet sind, sowie genügend Stauraum und eine großzügige Deckenhöhe aus. Das lässt die Zimmer geräumig wirken. Insgesamt erinnern die Wohngruppen an eine große, gemütliche WG mit Gemeinschafts- und Individualräumen.

Eine Plattform verbindet die einzelnen Baukörper zu einem zusammen-hängenden Campus
»Gemeinschaft braucht vielfältige Räume. Räume zum Zusammenkommen – zu zweit oder mit ganz vielen. Es braucht Freiräume, in denen man sich ausprobieren und wachsen kann, Wege, auf denen man sich beiläufig begegnet und geschützte Räume, um sich zurückzuziehen. Diese Vielfalt ist für mich die große Qualität unseres Entwurfs.«
Kerstin Rieck, Projektleiterin
heinlewischer
Die studentischen Gemeinschaftsräume des Tita-Cory-Campus

Kapelle

Auch bei der Planung der Kapelle ging es um die Gemeinschaft. So entschied das Kölner Büro, einen interner Wettbewerb für die Gestaltung des Gotteshauses einschließlich der Sakristei auszuschreiben. Zum einen, weil der Entwurf einer Kapelle eine reizvolle, seltene Aufgabe darstellt und zum anderen, weil das Kölner Büro neue Wege ausprobieren wollte.

Am Ende war die Projektleitung überwältigt von den unterschiedlichen Herangehensweisen der 16 eingereichten Beiträge sowie den neuen Potenzialen, die durch diese Aufgabe entdeckt wurden.

Das Ergebnis ist ein reduzierter Raum der Stille, geprägt von Sichtbeton, Glas, Naturstein und Holz.