Universität der Bundeswehr, Hamburg
Offenheit und Einheit
In den 1970er Jahren stellte die Bundeswehr ihre Ausbildung auf neue Grundlagen und entwickelte erstmals eigene Universitäten, um angehende Offiziere wissenschaftlich auszubilden und zugleich stärker an die Zivilgesellschaft anzubinden. Die neuen Hochschulen sollten keine abgeschlossenen Kasernenorte sein, sondern moderne, demokratisch geprägte Lernumgebungen, die Offenheit, Austausch und Transparenz architektonisch ausdrücken. Vor diesem Hintergrund entstand in Hamburg ein Campus, der diese Ziele beispielhaft einlöst und bis heute den Reformgedanken jener Zeit sichtbar macht.
Die Anlage übersetzt diesen Anspruch eines offenen, einladenden Campus in klare Baukörper und großzügige Landschaftsräume. Basis ist ein flexibles Pavillonsystem aus 36 × 36 m großen, dreigeschossigen Einheiten, die konstruktiv eigenständig funktionieren und je nach Bedarf zu Lehr-, Werk‑ und Versorgungsbereichen kombiniert werden. Prägend ist die selten angewandte Hängekonstruktion: Jeder Pavillon ist an vier freistehenden Stahlfachwerken aufgehängt, die auf nur vier Stützen ruhen. Das schafft große, stützenarme Spannweiten bis 21,60 m und macht die Statik als Gestaltung erfahrbar.
Im Zentrum liegt das Lehrgebäude aus neun versetzten Pavillons um drei Innenhöfe. Ein zurückspringendes Erdgeschoss mit weißen Metallpaneelen akzentuiert die Adresse; darüber kragen die Obergeschosse mit feinen, durchlaufenden Profilen, dunklen Brüstungsfeldern und sichtbaren Hängestangen aus – eine Fassade, die Ordnung und Leichtigkeit verbindet. Die innere Organisation folgt dem „Lineartyp“: Gemeinschaftsbereiche im Erdgeschoss, Fachbereiche in den Obergeschossen, verbunden durch ein großzügiges Stahl‑Glas‑Treppenhaus unter einer Lichtkuppel, von dem die Erschließung windmühlenartig ausfächert. Materialität wie Sarrizzo‑Gneis, klare Verglasungen und filigrane Treppen stärken den Eindruck eines hellen Arbeitsortes.
Östlich schließt die Werkhalle mit Schwerlaboren als kompakter, technisch geprägter Bau an. Die Zentrale Versorgungsanlage ist als geschlossener Kubus aus hellen und dunklen Paneelen ausgeführt. Südöstlich setzt die Mensa – zwei Pavillons auf leicht erhöhtem Terrain – die Hängekonstruktion besonders transparent in Szene: ein zurückspringendes Erdgeschoss, ein lichtes Obergeschoss mit großer Galerie und ein künstlerisch gestalteter, farblich akzentuierter Versorgungskern. Sie ist bewusst als Ort der Begegnung zwischen Hochschule und Öffentlichkeit gedacht.
Die Landschaftsgestaltung mit fein modellierten Topografien, Baumgruppen, baulich gefassten Sitzbereichen und dem Kühlsee als kontemplativem Mittelpunkt verknüpft Architektur und Freiraum. Kunst am Bau – u. a. Werke von François Morellet, Alf Lechner und Erich Reusch – erweitert den Campus zum kulturellen Ensemble. So zeigt die Universität ihren Kern: funktional hoch flexibel, städtebaulich eingebunden und architektonisch offen – ein sichtbares Bekenntnis zu moderner, demokratischer Hochschularchitektur.






